Archiv für die Kategorie „Weinanbau“

Die Sangiovese-Rebe, die an der Ostküste nur magere Weine liefert, kommt in der Toskana in den Gebieten Chianti, Montalcino und Montepulciano groß heraus. Sie wird auf der ganzen Halbinsel angepflanzt, ebenso Barbera und Sangiovese an den richtigen Standorten große Weine hervorbringen können, sind die einzigen Pluspunkte der Trebbiano ihre Resistenz gegenüber Krankheiten und ihre gewaltigen Erträge.

Weiter südlich stößt man auf Sorten, die vor 3000 Jahren von den Griechen ins Land gebracht wurden: Uva die Troia, Negroamaro, Aglianico, Gaglioppo und Greco di Tufo, die erwartungsgemäß in der südlichen Hitze ausgezeichnet gedeihen. Wenn man nördliche Sorten wie Sangiovese und Trebbiano im Süden anpflanzt, werden sie bereits im August reif und bringen Weine von unsäglicher Banalität hervor, doch diese einheimischen südlichen Reben, die besser an die heißen Sommer angepasst sind, haben eine viel längere Wachstumszeit, in der die Trauben interessante und komplexe Aromen entwickeln können.

Auch die Inseln haben ihre eigenen Sorten. In Sizilien steht die Nero d’Avola konkurrenzlos da, während in Sardinien in Traubensorten wie der roten Cannonau (der spanischen Garnacha) und Carignano sowie der weißen Vermentino (angeblich Malvasia) noch Spuren der spanischen Herrschaft im Mittelalter zu finden sind. Hier darf, wie überall in Italien, nicht unterschätzt werden, wie wichtig es ist, diesen Rebsorten den passenden Boden und das geeignete Klima anzubieten.

Nordwestitalien

Die voralpine, wellige Hügellandschaft der Langhe liefert mit ihren Ton- und Kalksteinböden die perfekte Umgebung für den Weinbau, und engagierte Winzer produzieren hier einige der aufregendsten Weine Italiens. Die Hügel der Langhe bilden jedoch eine kleine Insel der Qualität in einem Meer der Mittelmäßigkeit. Denn obwohl Nordwestitalien, insbesondere das Piemont, den Ruf hat, einige der besten Italienische Weine hervorzubringen, wird die Qualität selten den Erwartungen gerecht. Piemont hat zum Beispiel die meisten DOCs aller Regionen in Italien, doch außerhalb der Langhe und abgesehen von einigen Ausnahmen im angrenzenden Monferrato gibt es wenig, was auf der internationalen Bühne konkurrieren kann. Und weiter weg vom Piemont, auf den schwindelerregenden Klippen Liguriens, in den schroffen Bergen des Aosta-Tals oder in der Poebene der Lombardei finden Sie Weine, die in einem Restaurant dort ganz gut schmecken, jedoch enttäuschen, wenn man sie aus ihrer heimischen Umgebung herausnimmt.

Nordwestitalien müsste eigentlich besseren Wein hervorbringen, denn es hat alle erforderlichen natürlichen Voraussetzungen dazu. Berge – die Alpen im Norden und Westen, der Apennin im Süden – bilden einen schützenden Halbkreis. Sie trennen Italien von Frankreich und der Schweiz, sie wirken auch als natürliche Grenze zwischen dem Piemont (der Name bedeutet so viel wie “am Fuß der Berge”) und der Küstenregion Ligurien im Süden. Flüsse wie Po, Tanaro und Bormida bewässern die üppigen, niedrig gelegenen Täler, die mit die besten Früchte Italiens hervorbringen, während die Hügel der Langhe und des Monferrato und die Voralpen in der Lombardei der Rebe ideale Anbaubedingungen bieten.

Der Po, Italiens längster Fluss, entspringt in den Alpen nahe der französischen Grenze, bevor er sich ein breites Bett durch die Ebenen des Piemont, der Lombardei und des Veneto gräbt und auf dem Weg nach Osten das alpine Italien von der Emilia-Romagna und Mittelitalien trennt. Die breite, fruchtbare Poebene, die sich nicht für den Weinbau eignet (ihre Fruchtbarkeit hat so manchen übermütigen Winzer in Versuchung gebracht), wird im Norden durch einen Kamm von Kalkstein und Dolomit begrenzt, der die Ausläufer der lombardischen Alpen bildet. Diese erstrecken sich bis in das Veneto hinein.